Wir können es beobachten, oder auch selbst erleben. Der Trend zum „Do it yourself“ (DIY), zur Selbstbedienung und damit auch zur Unabhängigkeit von professionellen Dienstleistungen setzt sich fort.
Es geht dabei längst nicht mehr nur um Handwerker und Baumärkte. Die „Do it yourself“-Kultur hält Einzug in alle Lebensbereiche und bringt unweigerlich auch wirtschaftliche Veränderungen mit sich.
Die einen freuen sich an der neu gewonnenen Freiheit und Unabhängigkeit, die anderen fürchten um ihren Berufsstand. Ob es gefällt oder nicht, wir können davon ausgehen, dass die Selbermacher zahlreicher, ihre Werkzeuge besser und ihre Netzwerke stärker werden.
Radikal formuliert heißt das: Wo im Zuge der industriellen Revolution manuelle Arbeitskraft durch Maschinen ersetzt wurde, werden heute professionelle Dienstleistungen durch Software ersetzt.
Es beginnt damit, dass moderne Software – die Komplexes einfacher und Aufwendiges schneller macht – dem professionellen Dienstleister in seinem Alltag einen großen Teil der Arbeit abnimmt. Und geht weiter bis zu dem Punkt, wo derartige Software für den Laien zugänglich wird und ihm damit die Möglichkeit eröffnet, es selbst zu versuchen.
Wen könnte das betreffen? Zum Beispiel uns Web-Designer und Web-Programmierer. DIY Website Services wie WordPress.com, Squarespace oder Virb – um nur ein paar Beispiele zu nehmen – setzen keine Kenntnisse der Web-Programmierung und auch kein Design Studium voraus, und ermöglichen doch (bei einigermaßen geschickter Anwendung) recht ordentliche Resultate.
Auch die Immobilienbranche ist betroffen. Immer mehr private Anbieter bevorzugen es, den provisionsfreien Weg zu gehen, ihr Objekt selbst zu fotografieren, zu beschreiben, zu präsentieren und sich dann im direkten Kontakt für den richtigen Käufer oder Mieter zu entscheiden. Das privat Inserieren auf gut besuchten Online Plattformen macht es möglich.
Viele der Informationen, die früher fast ausschließlich durch Berater, Profis oder Experten zugänglich waren, können heute ganz einfach auf Google, Wikipedia oder ähnlichen Plattformen selbständig entdeckt werden. Es heißt wir leben im Informationszeitalter, in Zeiten der Demokratisierung des Wissens.
Braucht es deshalb keine Berater, Profis und Experten mehr? – Ein klares Nein! Aber die Anforderungen und die Art der Nachfrage, der Dienstleister ausgesetzt sind, befinden sich in einem tiefgreifenden Wandlungsprozess. Praktisches Wissen und Erfahrungen gewinnen neu an Bedeutung, Geschäftsmodelle müssen überdacht und neue Technologien auf sinnvolle Weise eingesetzt werden.
Wo können wir echte Mehrwerte schaffen? Was schafft der Kunde nicht ohne unsere Hilfe? In welchen Bereichen müssen wir unsere Position überdenken? Was dürfen wir Neues lernen?
Alte Fragen, auf die wir immer wieder neue Antworten finden müssen.



